Heimatschutzlehrpfad

GESCHICHTLICHE UND KULTURHISTORISCHE STÄTTEN UND EREIGNISSE

1   Haus zur
     Hofstatt/Rothaus

2   Kloster Mariaburg

3   Fahrtsplatz

4   Gedenksteine

5   Letzimauer

6   Schlachtdenkmal

7   Grabmal von
     General Bachmann

8   Pfarrkirche
     St. Hilarius

9   Tolderhaus

10 Freulerpalast

 

Das Ortsbild von Näfels ist geprägt von geschichtlichen Ereignissen und kulturhistorischen Stätten. Die Frühzeit der Siedlung Näfels erlebte eine kulturgeschichtliche Überschneidung und reicht in die spätromanische/alemannische Zeit zurück. Darauf deutet der romanische Ursprung des Ortsnamens: «navale», d.h. «Neuland, neu für die Bebauung gewonnenes Land», resp. alemannisch: «rauti», was gleichbedeutend ist.

In Näfels fand 1388 jene Schlacht statt, die den Glarnern Freiheit brachte. Zahlreiche Zeugnisse erinnern an das damalige Ereignis. Die Gedenksteine, der Fahrtsplatz und das Schlachtdenkmal, eindrücklich ist aber auch die Letzimauer.
Kirche und Kloster zeugen von der besonderen geistlichen Präsenz. Der Freulerpalast ist als architektonische Erscheinung mit dem geschichtlichen Hintergrund eindrücklich, aber ebensosehr als Museum des Landes Glarus.

Der Rundgang beinhaltet:

Bahnhof Näfels/Mollis - Hofstatt/Rothaus - Kloster Mariaburg - Fahrtsplatz - Gedenksteine - Letzimauer - Schlachtdenkmal - Pfarrkirche St. Hilarius - Grabmal von General Bachmann - Tolderhaus - Freulerpalast.
Dauer: ca. 4 Stunden inkl. Besichtigungen.

1. Hofstatt / Rothaus

Neben dem Freulerpalast ist dies das bedeutendste Profangebäude in Näfels, inmitten einer herrschaftlich grossen Liegenschaft. Einziges grosses Turmhaus im Kanton Glarus.

Die Anlage, wie sie sich heute präsentiert, wurde erbaut von Landammann, Oberst in franz. Diensten und Ritter Fridolin Josef Hauser (1713-1783). Das Haus zur Hofstatt entstand in drei Bauphasen, die noch gut ersichtlich sind. Der erste, südliche Teil muss in die Jahre um 1650 datiert werden. 1746 wurde derselbe aufgestockt und stand unter einem Satteldach. 1777 (diese Jahreszahl ist beim Hausportal ersichtlich) wurde der nördliche Teil und der Turm angebaut.

Neben dem grosszügigen Grundriss zeigt das Haus im Innern eine wertvolle Ausstattung. Im zentralen Turmteil eingebaut, ein sehr imposantes Treppenhaus mit einem spätbarocken Nussbaumgeländer. Auf allen Geschossen sind bemerkenswerte Räume, mit aus der Bauzeit stammenden Holzdecken und Malereien. Als besonderes Schmuckstück präsentiert sich der im südlichen Dachgeschoss eingebaute herrliche Stucksaal.

1996 wurde der obere Dachstock durch einen Brand zerstört. Nach aufwändiger und vollständiger Renovation konnte in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz für das Ortsbild von Näfels ein hervorragendes Baudenkmal erhalten und gerettet werden.

Das Haus zur Hofstatt/Rothaus hat Ende des 19. Jh. verschiedentlich den Besitzer gewechselt. Es ist heute im Privatbesitz und steht nicht für öffentliche Besichtigungen offen.

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2. Kloster Mariaburg

«Zum Fortbestand, zur geistigen Stärkung und religiösen Erneuerungen der katholischen Minderheit im Lande Glarus» wurde die Kapuzinermission von den eigenen Landsleuten ins Leben gerufen.
Fridolin Freuler, der Sohn des Gardeobersten und Palastbauers, war initiativer Befürworter des Klosterbaues in Näfels. Das Kloster wurde auf dem Burghügel errichtet und 1677 bezogen. Vorher stand dort eine Burg, wo säckingische Beamte und zuletzt habsburgische Vögte bis zu deren Vertreibung 1351 residierten. Die Burg wurde zerstört.
Das Gemälde des Hochaltars «Maria Immakulata», sowie diejenigen der Seitenaltäre «Sankt Antonius» und «Sankt Franziskus» stammen vom Rapperswiler Künstler Johann Michael Hunger.
Ueber 300 Jahre wirkten hier die Kapuziner als Seelsorger und mehr als 150 Jahre führten sie auch eine Knaben-Sekundarschule mit Progymnasium. Wegen Mangel an Ordensleuten wurden 1984 die Schule und 1986 das Kloster aufgegeben. Ab 1986 übernahmen die Franziskaner das Kloster. Die Schulanlage wurde von der Gemeinde Näfels erworben und diente seither als Gemeindehaus. Seit der Gemeindefusion sind hier die Technischen Betriebe Glarus Nord und die Ressorts 'Bau und Umwelt' und 'Wald und Landwirtschaft' angesiedelt.

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3. Fahrtsplatz

Alljährlich anfangs April kommt das Glarner Volk anlässlich der uralten Kreuzfahrt in Näfels zusammen. Die Fahrt beginnt im Schneisingen; auf dem Fahrtsplatz wird der Fahrtsbrief verlesen, die Gefallenen genannt und die Fahrtspredigt gehalten.

Der Fahrtsplatz ist aber auch aus anderen Gründen von Bedeutung: hier fanden früher die Gemeindeversammlungen und die 1. Augustfeiern statt und bis zum heutigen Tag wird der alljährliche Viehmarkt abgehalten.

Zahlreiche Stiche zeugen von der Anziehungskraft, die dieser Platz auf Künstler während Jahrhunderten ausübte.

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4. Gedenksteine

Ihre Entstehung ist weder urkundlich noch archäologisch überliefert; wahrscheinlich entstanden sie bald nach der Schlacht. Ursprüngliche Steine sind jedoch nicht mehr vorhanden; sie wurden im Laufe der Zeit wohl ein- bis zweimal ersetzt. Der erste Stein steht im Schneisingen, am Berghang südlich des Dorfes. Entgegen früherer Annahmen markieren die 11 Kreuzsteine, die den Prozessionsweg bezeichnen, nicht Kampfplätze, sondern ihre Entstehung ist im Zusammenhang mit der Gedenkfeier, der Näfelser Fahrt, zu verstehen. Die Kreuzsteine bilden ein ganz besonderes Denkmal, wie es von keinem anderen Schlachtfeld her bekannt ist.

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5. Letzimauer

In den Jahren 1351/52 begannen die Glarner mit dem Bau einer mächtigen Talsperre bei Näfels. Der Zeitpunkt der Fertigstellung ist ungewiss, sie muss aber vor 1388 erfolgt sein. Die Talsperre sollte einen Angreifer hindern, ungestört ins Glarnerland einzufallen und die Viehherden wegzutreiben. Sie wurde weder für eine Belagerung noch für die Führung eines entscheidenden Kampfes gebaut.
Die Letzi zog sich vom westlichen Berghang quer durch das Tal und endete auf dem Kerenzerberg. Letzteres Teilstück wurde 1961 durch eine Kantonsschulklasse freigelegt, aber mangels finanzieller Mittel wieder eingedeckt. Demgegenüber wurde 1983 ein 16.7 Meter langes Teilstück neben dem Schlachtdenkmal originalgetreu auf den Fundamenten der alten Letzi nachgebaut. Die Fundamente ruhten auf Holzpfählen, die Mauer war aus Kalksteinen aufgebaut und vermörtelt.
Sie wies eine Höhe von 3.4 Meter und eine Breite von 2 Meter auf. Auf der Südseite war sie aufgeschüttet, der Mörtelboden für die Verteidiger gedacht. Die Länge von 1100 Meter erforderte rund 6000 Kubikmeter Steine, Kies und Mörtel.

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6. Schlachtdenkmal

Nach dem bedeutsamen Sieg vom 9. April 1388 stifteten die Glarner Zeichen des Dankes: In Form einer Schlachtkapelle, einer Totenmesse und vermutlich der Fahrtsprozession sowie der Kreuzsteine.
Aber erst im 19. Jahrhundert errichtete man den «Helden von Näfels» zwei eigentliche Denkmäler:
Das Schlachtdenkmal in Näfels wurde im Hinblick auf die 500-Jahrfeier 1888, gegen den Willen des Parlamentes, in einer mitreissenden Bürgeraktion durchgesetzt. Der einfache Obelisk aus Tessiner Granit stammt vom Basler Bildhauer Alfred Romang. Er entspricht dem schweizerischen Kunstdenken des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
In der reformierten Kirche zu Mollis erinnern seit 1838 Gedenktafeln an die in der Schlacht gefallenen Glarner und Eidgenossen.

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7. Das Grabmal von General Bachmann

Die Schweizer Fahne und Näfels

General  Niklaus Franz von Bachmann wurde am 27. März 1740 in Näfels geboren und starb hier am 11. Februar 1831. Sein Grabmal befindet sich auf dem Friedhof Näfels. Er kam durch Erbschaft an eine Kompanie und war für die Militärlaufbahn bestimmt.
Nach brillanter Offizierskarriere kehrte er in die Schweiz zurück und wurde von der Tagsatzung am 20. März 1815 zum ersten Schweizer General ernannt.

Schon am 15. März 1800 hatte er unter englischem Sold gegen Napoleon seinem Regiment in Schwabmünchen rote Fahnen mit einem weissen Kreuz befohlen. Später am 1. Juli 1815 ordnete er am linken Arm eine rote Binde mit weissem Kreuz an und am 12. Oktober 1815 liess er den 4 Söldnerbataillonen, die aus fremden Diensten zurückkehrten, zum ersten Mal je eine rote Fahne mit weissem Kreuz übergeben. Dies waren die ersten eidgenössischen Bataillonsfahnen mit diesem Zeichen. Näfels steht also in besonderer Beziehung zu unserer Nationalfahne.

Seit 1990 existiert in Näfels eine General Bachmann Gesellschaft.

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8. Pfarrkirche St. Hilarius

Das barocke Gotteshaus wurde von 1779 - 1781 gebaut, anstelle der ersten Pfarrkirche aus der Zeit der Reformation. Die Leitung der Arbeiten übertrug die Kirchgemeinde Näfels den bestbekannten Baumeistern Johann und Jakob Singer von Luzern. Ein grosser Teil der Arbeiten wurde in Frondienst geleistet. Die Innenausstattung schufen hiesige und auswärtige Fachleute. Die Deckengemälde malte Josef Eugen Kuen und die Bilder des Hochaltars Johann Melchior Wyss. Die erste Orgel, deren Prospekt heute noch besteht, baute der damals bekannte Baarer Orgelbauer Karl Joseph Maria Bosshard. Bis heute sind vier Teil- oder Gesamtrenovationen durchgeführt worden.
Nicht nur das Äussere der St. Hilarius Kirche ist eindrücklich, sondern fast mehr noch das Innere mit den Deckengemälden, Stuckaturen, Altären und Statuen.
Der Kunstführer von Jürg Davatz gibt detaillierte Auskunft über diese herrliche Kirche.

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9. Das Tolderhaus

Das Tolderhaus wurde 1551 durch Fridolin Tolder für seine Familie gebaut. Das mächtige gemauerte Haus zeigt spätgotische Reihenfenster und im stark veränderten Innern reich gestaltete Fenstersäulen. Seit einigen Jahren dient es der Oeffentlichkeit für Ausstellungen. Eine Innenrenovation nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wird in den Jahren 2002/2003 ausgeführt.

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10. Freulerpalast

Der Erbauer und das Gebäude

Bevor im Glarnerland die frühe und starke Industrialisierung einsetzte, waren viele junge Männer gezwungen, ihr Brot als Söldner in fremden Diensten zu erwerben. Allein aus Näfels stammten 300 Offiziere und unzähIige Soldaten.
Oberst Kaspar Freuler (um 1595 - 1651) befehligte von 1635 bis zu seinem Tode das Garderegiment des französischen Königs Ludwig XIII.
In den Jahren 1642 - 1648 liess er sich den Freulerpalast als Wohnsitz errichten.
Der Palast gilt als einer der schönsten Bürgerhäuser der Schweiz aus dem 17. Jahrhundert. Der Bau legt Zeugnis ab von der Macht und dem Selbstbewusstsein der damaligen Offiziersschicht, die im Ausland zu Ruhm, Ehre und Wohlstand gelangte.
Die herrschaftliche Anlage, die von aussen her zwar eher als Grosshaus denn als Palast wirkt, besteht aus einem zweiflügeligen Wohngebäude mit geometrischem Ziergarten und einem Oekonomiegebäude und ist durch eine hohe Umfassungsmauer abgeschlossen. Die Architektur vereinigt Eigenarten eines spätgotischen Giebelhauses, eines Renaissancepalastes und einer früh-barocken Anlage. Das Innere überrascht durch die Vielzahl prachtvoller Räume, mit schönsten Steinmetz- und Schnitzarbeiten, festlichen Stukkaturen, bunten Böden, edlem Täfer, kunstreichen Kassettendecken und bemalten Turmöfen.

Das Museum des Landes Glarus

1946 konnte das historische Museum eröffnet werden, das Gegenwart mit Vergangenheit, Geschichte und Kultur von Kanton und Volk verbindet.
Im Erdgeschoss erinnert eine Sennhütte daran, dass Alpwirtschaft und Viehzucht im Glarnerland von alters her eine wichtige Erwerbsquelle waren.
Bildnisse, Dokumente und Waffen bezeugen die einstmals grosse Bedeutung der Fremdendienste. Im Bannersaal finden sich alte Glarner Fahnen, unter ihnen das Glarner Banner von 1388. Kirchliche Kunst, wie alte Gemälde, Statuen und liturgische Geräte sind im Prunkzimmer vereinigt. Farbenprächtige Standes- und Wappenscheiben leuchten in den Fenstern. Schriftstücke, Gegenstände, Karten und Gemälde dokumentieren die geschichtliche Entwicklung des Kantons und das Schaffen bedeutender Glarner. Immer wieder veranstaltet das Museum sehenswerte Sonderausstellungen.

Das Textildruckmuseum

Die Abteilung Glarner Zeugdruck ist 1988 im Dachgeschoss eingerichtet worden. Der Zeugdruck begann 1740 und erlangte im 19. Jahrhundert Weltgeltung. Informationstafeln und eine Tonbildschau führen in das Thema ein. Im Mittelpunkt steht der historische Hand- und Modeldruck; daneben werden auch modernste Verfahren vorgestellt. Die Zeugdruckereien produzierten für Absatzgebiete in aller Welt Kaschmir-, Schnupf- und Bildertücher, Schals, Türkenkappen und Batikartikel. Der Fabrikbau und die charakteristischen Trocknungstürme (Hänggitürme) werden mit Modellen, Ansichten und Plänen gezeigt.

Auf dem Gebiet der Sozial- und Fabrikgesetzgebung leistete die Glarner Landsgemeinde-Demokratie im 19. und 20. Jahrhundert Vorbildliches. So verfügte Glarus über das erste Fabrikgesetz, welches die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren verbot, die Arbeitszeit in den Fabriken auf 11 Stunden, samstags auf 10 Stunden beschränkte und die Sonntagsarbeit für Frauen und Jugendliche abschaffte.  

Im Anschluss oder innerhalb des Rundganges, ab der Hauptstrasse, vor dem Weg zum Schlachtdenkmal, ist innert 10 Minuten die linth-arena sgu zu erreichen, das unter anderem mit einem Hallen- und Freibad aufwartet.

Das Dorf Näfels ist ein kulturträchtiger Ort, aber ebenso kulturell sind die Menschen. Näfelser wissen zu feiern und zu trauern; frohe Anlässe werden freudig, die ernsten würdig begangen. Näfels und die Näfelser sind offen für andere und für die Welt. Seit 1988 ist Näfels als erster Ort im Kanton Glarus Europagemeinde. Seit 2011 ist Näfels Teil der Grossgemeinde Glarus Nord.

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